Einige wissenschaftliche Ergebnisse über Haschisch beziehungsweise Marihuana
In der Literatur wird Hanf (Cannabis sativa) häufig aufgrund des Wirkstoffgehaltes in zwei Typen unterteilt. Den Cannabis-Fasertyp, der praktisch keine rauscherzeugende Substanzen enthält, pflanzten unsere Vorfahren zur Herstellung von Seilen an. Der Cannabis-Drogentyp hingegen stammt aus südlichen Ländern. Die zerkleinerten Blätter oder zerkleinerte Teile der ganzen Pflanze werden als Marihuana bezeichnet. Haschisch ist das gepreßte Harz der Blüten und ist fünf- bis sechsmal stärker als Marihuana. Haschischöl ist ein Extrakt aus dem Harz und kann bis zu 50 % des rauscherzeugenden THC (Tetrahydrocannabinols) enthalten.
Chemie
Sowohl aus Marihuana als auch aus Haschisch konnten bis heute mehr als 420 chemische Stoffe isoliert werden, die zu 18 verschiedenen chemischen Kategorien gehören. Mehr als 60 dieser Stoffe kommen ausschließlich in Cannabis vor. Sie werden deshalb Cannabinoide genannt. Davon sind mindestens vier rauscherzeugend. Das bekannteste ist das Tetrahydrocannabinol (THC). Es hat den größten Anteil an der Erzeugung des Rausches. Je nach Herkunft, Alter und Sorte von Cannabis gibt es große Unterschiede im Giftstoffgehalt. Durch Aufzucht von Pflanzen aus südlichen Ländern hat Marihuana heute bis zu zwanzigmal mehr rauscherzeugende Substanzen als noch vor etwa 20 Jahren und ist somit auch gefährlicher, weil viele Schädigungen von der Menge des zugeführten Rauschgiftes abhängen. Starke unkontrollierbare Reaktionen, gefährliche Rauschverläufe sowie Psychosen werden oft durch einen hohen Gehalt an THC ausgelöst. Deshalb kann das Haschischrauchen von heute nicht mit demjenigen von 1968 oder Anfang der siebziger Jahre verglichen werden.
Durch den Verbrennungsvorgang beim Rauchen von Cannabisprodukten entstehen über 2000 verschiedene chemische Substanzen. Nach der Aufnahme in den Körper werden viele dieser Substanzen verändert und wandeln sich in noch weitere Stoffe (Metaboliten) um. So wandelt sich allein das THC in bis zu über 80 andere Stoffe um. Was sich in der Folge im Körper abspielt ist unüberblickbar. Die Schwierigkeit, die kombinierte Wirkung aller dieser Substanzen im Organismus zu erfassen, ist schon aus der Tatsache zu ersehen, daß jahrelange Forschung nötig ist, um bestimmte Wirkungen eines einzelnen chemischen Stoffes auf den Körper festzustellen. Nun sind aber bei Cannabis die nichtpsychoaktiven Stoffe, das heißt diejenigen, die keinen Rausch erzeugen, teilweise noch gefährlicher als die psychoaktiven, besonders in ihrer Wirkung auf gewisse Zellen und damit auf verschiedene Organe des Körpers.
Anreicherung von Giftstoffen im Körper
Eine wichtige Eigenschaft der Cannabinoide besteht in deren Fettlöslichkeit, das heißt, daß sie sich schlecht in wäßrigen, hingegen gut in öl- oder fetthaltigen Flüssigkeiten lösen. Dies bewirkt, daß Cannabinoide nach der Aufnahme in den Körper relativ rasch aus dem Blutstrom verschwinden. Sie lagern sich in den fetthaltigen Bestandteilen einer Vielzahl von Zelltypen sowie im Fettgewebe ab und entfalten dort ihre Wirkung. Besonders wichtige fetthaltige Gewebe finden sich im peripheren Nervensystem, im Gehirn und in den Fortpflanzungsorganen.
Im Vergleich zu (Äthyl-)Alkohol, der bei übermäßigem Konsum die physische, psychische und soziale Gesundheit vieler Menschen und ihrer Umgebung beeinträchtigt und für viele Unfälle verantwortlich ist, ist Haschisch noch gefährlicher. Allein die leistungsvermindernde Wirkung vom THC ist 4000mal stärker als diejenige von Alkohol. Da die Cannabinoide nur sehr langsam abgebaut und in sehr kleinen Mengen aus fetthaltigen Zellen und dem Fettgewebe wieder freigegeben und aus dem Körper ausgeschieden werden, kommt es zu einer Anreicherung von Giftstoffen. So dauert es drei Tage bis zu einer Woche, bis nur die Hälfte des THC von einer einzigen Marihuanazigarette abgebaut und ausgeschieden ist. Deshalb sind Wochenendraucher nie wirklich rauschgiftfrei. Bei chronischem Marihuanakonsum wurden im Urin Ausscheidungsprodukte sogar noch bis zu 77 Tage nach der letzten Zigarette gefunden. Bei einem Jugendlichen, der sich in der Pubertät befindet, sind zudem die Wirkungen der Droge völlig anders und wesentlich schädlicher als bei Erwachsenen. Was dieser Sachverhalt bedeutet, haben Wissenschaftler eindrücklich beschrieben.
Schädigung der Lungen
Die gesundheitsschädigenden Wirkungen des Tabakrauchens sind seit vielen Jahren bekannt. Über die schädlichen Auswirkungen von Marihuana und Haschisch auf die Lungen wurden ebenfalls bereits viele Studien durchgeführt. Dabei hat sich herausgestellt, daß Marihuanazigaretten beziehungsweise Haschisch noch schädlicher für die Lungen sind als Tabakzigaretten. Der Rauch von beiden enthält viele derselben schädlichen Substanzen. Nun sind aber in den üblichen Marihuanazigaretten 50-100 % mehr krebserregende Stoffe enthalten als in Tabakzigaretten. Außerdem inhaliert der Marihuanaraucher tief und behält den Rauch möglichst lange in den Lungen, um die Wirkung der rauscherzeugenden Gifte voll auszunützen. In Kombination mit Tabakrauchen verstärken sich die schädlichen Wirkungen gegenseitig um mehr als das Doppelte. Bei Lungenfunktionstests werden bereits nach kurzer Zeit erhebliche Beeinträchtigungen festgestellt. Die Vitalkapazität der Lungen - das heißt die Luftmenge, die man maximal ein- und ausatmen kann - wird durch eine Marihuanazigarette so stark eingeschränkt wie durch etwa 16 Tabakzigaretten.
Nach einigen Wochen muß bei starken Rauchern bereits mit Veränderungen an den Atemwegen gerechnet werden. Viele Konsumenten leiden schon nach kurzer Zeit unter chronischem Husten, Entzündungen der Luftwege und Schmerzen in der Brust. Diese Symptome verschwinden im allgemeinen nur dann, wenn der Patient das Rauchen aufgibt. Bei einem länger dauernden Marihuana- und Tabakrauchen ist also mit verschiedenen Lungenerkrankungen , unter anderem auch mit einem erhöhten Krebsrisiko zu rechnen. Auch das Emphysem (Lungenblähung) ist eine Krankheit, die beim Marihuanaraucher als Folge der chronischen Entzündung der Bronchien bedeutend früher auftreten kann als beim Zigarettenraucher. Der Zeitpunkt des Ausbruchs dieser unheilbaren Lungenkrankheit scheint von der Stärke des gerauchten Haschisch und von der Dauer der Schädigung abzuhängen.
Wirkung auf das Herz
Die Auswirkungen des Haschischrauchens auf das Herz und den Kreislauf sind weniger dramatisch. Bei chronischem Cannabiskonsum sind Herzrhythmusstörungen und Veränderungen des Blutdrucks vermehrt zu beobachten. Eine Steigerung der Herzfrequenz, die bis zu 140 Schläge/Minute betragen kann, führt zwar zu einer verstärkten Belastung des Herzens, was jedoch bei einem gesunden, jungen Menschen nichts ausmacht. Bei einem vorgeschädigten Herzen kann dies allerdings zu Komplikationen führen.
Schädigungen des Immunsystems
Tierversuche lieferten übereinstimmende Resultate über die Schädigung des Immunsystems durch Cannabisprodukte. Bei Mäusen wird das Immunsystem geschädigt und auch die Resistenz gegenüber Virusinfektionen wie zum Beispiel Herpes durch das THC vermindert. Die Vermehrung der weißen Blutkörperchen (eines für die Abwehr sehr wichtigen Zelltyps) ist ebenfalls beeinträchtigt. Ähnliche Befunde ergaben auch Untersuchungen an B-Lymphozyten (weißen Blutkörperchen, die bei Infektionen Antikörper produzieren) . Die Antikörperproduktion ist während der Zeit des Haschischkonsums und auch darüber hinaus ganz erheblich herabgesetzt.
Auch beim Menschen wurden Schädigungen des Immunsystems festgestellt. So hat die Zellbiologin Dr. Marietta Issidorides in Griechenland Untersuchungen an Haschischrauchern durchgeführt, die im Durchschnitt die Droge während 25 Jahren täglich konsumiert hatten. Sie untersuchte und fotografierte die Veränderung von Freßzellen (neutrophilen Granulozyten), die Bakterien aufnehmen und verdauen können. Die meisten sahen ungesund aus, wenn auch das Ausmaß der Schädigung variierte. Diese Beobachtungen geben Anlaß zur Besorgnis, vor allem in einer Zeit wie der unseren, in der sich Herpesinfektionen und Aids immer weiter verbreiten.
Beeinträchtigung der Zellfunktionen und des Erbmaterials
Bei Einzellern und bei verschiedenen tierischen und menschlichen Zellen bewirken Cannabinoide in Laborversuchen eine reduzierte Zellteilung beziehungsweise ein verzögertes Zellwachstum. Da sie auch in die Zellmembranen (Zellwände) eingelagert werden, kann die zellschädigende Wirkung unter anderem als Folge einer Störung der Zellmembran erklärt werden, welche die Aufnahme von Substanzen in die Zelle verändert. Dadurch werden wichtige Zellfunktionen gestört, wie zum Beispiel die Herstellung von DNS. DNS ist ein wesentlicher Bestandteil der Chromosomen, der Träger der Erbsubstanz. Ähnliche Störungen konnten auch in den Fortpflanzungsorganen von Männern gefunden werden. In einer Untersuchung wiesen zudem ein Drittel der Lymphozyten von starken Marihuanarauchern eine verminderte Chromosomenzahl auf. Es ist bekannt, daß Substanzen, welche die Zellteilung verlangsamen, die Chromosomenzahl verändern oder die Synthese (Herstellung) der DNS beeinträchtigen, eine Gefahr für eventuelle Nachkommen darstellen können.
Sexualentwicklung
Sowohl bei Tieren als auch beim Menschen kann durch den Konsum von Haschisch das hormonelle Gleichgewicht, das die Fortpflanzungsfunktionen regelt, gestört werden. So wird bei Männern im allgemeinen der Testosteronspiegel, also die Konzentration der männlichen Hormone, reduziert, was bis zu Impotenz führen kann. Der Anteil abnormaler und unreifer Spermien nimmt deutlich zu, und die Gesamtzahl der Spermien und deren Beweglichkeit werden beträchtlich vermindert, was zu vorübergehender Unfruchtbarkeit führen kann. Beim Erwachsenen scheinen diese Veränderungen nach dem Absetzen von Haschisch allerdings reversibel, das heißt umkehrbar , zu sein. Bei Jugendlichen befindet sich das Fortpflanzungssystem in Entwicklung und ist somit für schädigende Einflüsse besonders anfällig. Ein Hinweis darauf ist ein Bericht über einen 16jährigen Jungen, der seit seinem elften Lebensjahr täglich fünf Marihuanazigaretten geraucht hatte und dessen pubertäre Entwicklung stagnierte.
Bei Frauen wurde ebenfalls eine Störung des hormonellen Gleichgewichts festgestellt. Dies wirkte sich in Form von Periodenstörungen (Verkürzung der fruchtbaren Zeit) und in einer häufigen Störung beziehungsweise Unterdrückung des Eisprungs aus.
Schwangerschaft und Embryonalentwicklung
Frauen werden mit ihrem lebenslangen Vorrat an Eizellen geboren. Diese werden durch das sich in den fetthaltigen Eierstöcken ablagernde THC (Tetrahydrocannabinol) geschädigt. Es gibt viele Hinweise darauf, daß sich Haschischkonsum ungünstig auf eine Schwangerschaft auswirkt. Falsche und vorzeitige Geburtswehen, Sturzgeburten sowie vorzeitige Lösung der Plazenta mit entsprechender Gefährdung von Mutter und Kind wurden bei Marihuanaraucherinnen gehäuft beobachtet. Ebenso kann auch eine negative Wirkung auf das Kind angenommen werden. Es ist heute bewiesen, daß Cannabinoide die Plazentaschranke überwinden und über den mütterlichen Blutkreislauf auf das Ungeborene einwirken. In einer Untersuchung an mehr als tausend schwangeren Frauen wiesen Kinder von Marihuanaraucherinnen mehr Mißbildungen auf als andere Kinder. Häufig sind solche Neugeborene kleiner, haben ein geringeres Geburtsgewicht und einen kleineren Kopfumfang. Sie weisen zudem abnorme neurologische Befunde und Gesichtsanomalien auf, die dem fetalen Alkoholsyndrom vergleichbar sind. Dies ist eine bestimmte Form der Mißbildung bei Säuglingen, die vor allem bei Neugeborenen von alkoholkranken Müttern auftritt. Die Neugeborenen zeigen auch häufig eine zentralnervöse Hyperaktivität, die sich mit der Zeit legt.
Bei Müttern, die Haschisch konsumieren und ihren Säugling stillen, nimmt dieser das Rauschgift mit der Muttermilch auf. Für ein solches Kind, das am Anfang der körperlichen und seelischen Entwicklung steht, müssen stark schädigende Auswirkungen für sein späteres Leben befürchtet werden. Das Ausmaß der Folgeschäden für die Gesellschaft wird erst in einigen Jahren ersichtlich werden. Professor Gabriel G. Nahas von der Columbia-Universität und Forschungsdirektor des weltweit bekannten Forschungsinstitutes INSERM, Paris, warnt unermüdlich eindringlich vor den Folgen der Rauschgifte. »Wie uns die bisherige Geschichte zeigt, brachte die soziale Akzeptanz von Marihuana in einer Gesellschaft ihre Bürger in eine abwärtsführende Einbahnstraße; in der Vergangenheit hat es noch nie einen Weg zurück gegeben.«
Schädigung des Gehirns
Die für das Zusammenleben wichtigste Schädigung durch Haschisch findet im Gehirn statt. Haschisch und Marihuana bewirken einen Rausch, bei längerem Konsum eine Sucht und typische Persönlichkeitsveränderungen und können auch Psychosen hervorrufen.
Es hat sich gezeigt, daß schon geringe Mengen von Marihuana die für klares Denken und genaue und richtige Hirnfunktionen verantwortlichen Abläufe im Gehirn durcheinanderbringen. Dabei werden Funktionsabläufe in der Zelle selbst, aber auch an den Schaltstellen zwischen zwei Zellen, den sogenannten Synapsen, gestört.
Die oft geäußerte Vermutung von morphologischen Veränderungen (Strukturveränderungen) im Gehirn nach längerdauerndem Haschischkonsum konnte Dr. Robert Heath, ein amerikanischer Psychiater und Hirnforscher, bestätigen. [...] Analog zu den EEG-Abweichungen fand Dr. Robert Heath ultrastrukturelle Veränderungen an den Schaltstellen der Erregungsübertragung im Nervensystem (Synapsen) - und zwar in einer Art, wie sie auch bei anderen Vergiftungen festgestellt werden. Durch diese Veränderungen wird die Signalübermittlung mittels verschiedener Überträgerstoffe (Transmitter) im Gehirn beeinträchtigt. Beim Menschen können solche Veränderungen ebenfalls eine Verlangsamung der Hirnfunktionen bewirken. Sie sind wahrscheinlich der Grund für viele veränderte psychische Erscheinungen. Haschischraucher sprechen oft langsamer als früher, verlieren den Gedankenfaden und haben Mühe sich zu konzentrieren, zu verstehen und sich zu erinnern.
Auslösung von Psychosen
Es gibt Länder, die das Problem des Haschischmißbrauchs seit Jahrzehnten kennen und die eigene Namen für die durch Haschisch ausgelösten Psychosen haben. Für die Bevölkerung jener Länder scheint der Zusammenhang zwischen Haschischkonsum und dem Auftreten schizophrenieähnlicher Psychosen klar zu sein. So heißt diese Krankheit in Südafrika »Dagga-Psychose«, in der südlichen Sowjetunion »Anascha-Psychose« und in Jamaika »Ganja-Psychose«. Es wurde ein enger Zusammenhang zwischen Haschischkonsum und Auftreten von psychiatrischen Krankheitsbildern beobachtet. Schizophrenieähnliche Psychosen, massive Angstzustände, verwirrtes Denken sowie Depressionen mit Selbstmordgedanken und Suizidversuchen sind dafür typisch. Solche Symptome können nach kurzer Zeit wieder verblassen, können aber auch lange bestehen bleiben. Diese Unberechenbarkeit der Reaktion verschärft das ganze Problem noch mehr. In einer großen, repräsentativen schwedischen Studie wurde ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Menge und Stärke des gerauchten Haschisch und dem Ausbrechen einer Psychose festgestellt.
In anderen Studien hat sich sogar gezeigt, daß nicht nur chronischer, starker Haschischkonsum zu solchen Erscheinungen führen kann, sondern auch bereits mäßiger Konsum oder einige wenige Marihuana-Zigaretten. Es ist nicht vorhersehbar, bei welchem Menschen und zu welchem Zeitpunkt sich eine solche Wirkung von Haschisch zeigt. Jugendliche Konsumenten, die sich noch in einem körperlichen und seelischen Reifungsprozeß befinden, sind besonders gefährdet, dieses Krankheitsbild zu entwickeln. So waren in einer Frankfurter Klinik knapp ein Drittel der Patienten, bei denen eine Psychose unter Cannabiseinfluß ausbrach, zwischen 15 und 19 Jahre alt. Die Hälfte der Patienten war im Alter von 20 bis 24 Jahren.
Flashbacks sind gefährlich
Flashbacks (sogenannte Echoräusche) sind spontane psychotische Episoden ohne direkt vorangehenden Drogenkonsum, die teilweise sogar noch nach einigen Monaten auftreten. Sie können zum Beispiel durch eine besondere Stimmung oder durch entsprechende Musik provoziert werden. Sie treten aber häufig spontan und unerwartet auf. Ein solches plötzliches unvorhersehbares Eintreten von Wahrnehmungs- und Erlebnisstörungen birgt erhebliche Gefährdungsmomente für den Drogenkonsumenten und seine Umgebung (zum Beispiel beim Autofahren oder bei einer differenzierten Arbeit) in sich. Deshalb haben Gerichte in Baden-Württemberg und Hannover chronischen Haschischrauchern die Fahrerlaubnis entzogen, da die Gefährdung anderer Menschen nicht verantwortbar ist.
Abhängigkeit und Toleranzentwicklung
Es ist heute bewiesen, daß Haschisch Toleranz und Abhängigkeit erzeugt. Toleranz bedeutet in diesem Zusammenhang, daß für die gleiche Wirkung immer mehr des Rauschgiftes genommen werden muß. Die Toleranzentwicklung nimmt rasch zu. Es werden Fälle beschrieben, in denen Marihuanaraucher die Dosis innerhalb weniger Wochen um das zehn- bis zwanzigfache steigerten. Ein chronischer Raucher kann täglich bis zu einer Dosis von 500 mg THC rauchen. Dabei muß in Betracht gezogen werden, daß vor etwa 20 Jahren die »normalen« Marihuanazigaretten lediglich etwa 5-10 mg THC enthielten und daß selbst diese schon rauscherzeugend wirkten. Die Entzugssymptome beim plötzlichen Absetzen von Haschisch sind im allgemeinen eher mild (Erbrechen, Zittern, Schlafstörungen). Diese Reaktionen sind typisch für Substanzen mit einer langen Ausscheidungszeit. Die schon nach kurzer Zeit nachlassende Wirksamkeit führt bei vielen Drogenabhängigen zu einer Dosissteigerung und zu einem Übergang auf andere Drogen.
Die Zeit des Entzuges ist von der psychischen Seite her durch das Fortbestehen von Antriebsarmut, Langeweile und Freudlosigkeit gekennzeichnet, was unter Umständen in eine Depression mit Suizidgedanken münden kann. Eine Veränderung des Zustandes tritt erst nach etwa zwei Monaten ein. Konzentrationsstörungen und sich verselbständigende Assoziationen (Gedankenverknüpfungen), die die Lernbereitschaft verhindern, bleiben aber noch mehr als zwei Jahre nach dem Absetzen der Droge bestehen. Das Verlangen nach der Substanz bleibt lange erhalten und bewirkt eine monate- und jahrelange Rückfallgefahr, sofern der Drogenabhängige nicht fachgerechte Hilfe erhält.
Weitere psychische und soziale Auswirkungen
Haschisch ist immer ein Rausch-, nie ein Genußmittel. Das Ziel des Drogenkonsums ist das Herbeiführen eines Rauschzustandes. Beim ersten Mal wird es vielen Menschen übel, sie empfinden eine unangenehme Wirkung oder merken gar nichts. In der Peer-group, unter dem Druck von Gleichaltrigen und unter Anleitung von erfahrenen Haschischkonsumenten (die häufig das Rauschgift auch verkaufen möchten) lernt der Neuling, wie er »richtig« rauchen kann.
Trügerisches Hochgefühl
Der einmalige Haschischkonsum führt auch oft zu einer gehobenen Stimmung, die aber häufig nach kurzer Zeit in Ängstlichkeit oder in eine Depression umschlägt. Es ist unmöglich, das Ausmaß und die Art der Wirkung vorherzubestimmen, weil die Konzentration des Rauschgiftes nicht konstant dosiert werden kann, unterschiedliche Begleitumstände auf den Verlauf einwirken und auch die Befindlichkeit des Konsumenten eine große Rolle spielt. Aufgrund dieser Unberechenbarkeit ist der Verlauf auch von erfahrenen »Drogensüchtigen« nicht vorherbestimmbar. So kommen neben den üblichen Rauschzuständen auch atypische Rauschverläufe (»bad trips«) vor, bei denen Horror- und Panikerlebnisse und Entsetzen, depressive Verstimmung und Neigung zu unvorhersehbarem Fehlverhalten das Bild beherrschen.
Gestörtes Bewußtsein
Im Rausch werden die Zusammenhänge anders geknüpft und überdacht, so daß der Drogensüchtige meint, eine Erweiterung der Erkenntnisse und Erlebnisfähigkeit zu haben. In Wirklichkeit sind die Wahrnehmung und der Denkablauf gestört. Charakteristische Folgeerscheinungen des regelmäßigen Haschischkonsums sind allgemeine Denkstörungen, bruchstückhaftes Denken, Verlust der Erlebniskontinuität und Herabsetzung der Fähigkeit des Gehirns, Gedanken zu speichern. Die Fähigkeit zu differenziertem Denken ist gestört, das Lernen und die Realitätsempfindungen sind beeinträchtigt, ebenso Konzentration und Aufmerksamkeit. Es besteht eine erhöhte Ablenkbarkeit, eine Ausrichtung auf irrelevante Reize sowie eine abnorme Wahrnehmung der Realität. Dieses Phänomen wird häufig als sogenannte Bewußtseinserweiterung propagiert, besteht in Wirklichkeit aber aus einer Bewußtseinsstörung, einer Form der Trübung des Bewußtseins, und bildet die Grundlage für die Entstehung der größten Abhängigkeit, in die ein Mensch geraten kann. Nebensächlichkeiten werden bedeutsam, normale und wichtige Begebenheiten dafür übersehen.
Amotivationales Syndrom als Dauerzustand
Nach dem Abflauen des akuten Rauscherlebnisses verursacht Haschisch einen antriebsverminderten Zustand, eine allgemeine Apathie (Gleichgültigkeit) und Passivität, eine teilnahmslose, abgestumpfte Verfassung, die subjektiv im Moment manchmal als »glückhafte Bereicherung« empfunden wird, ohne daß der Konsument selbst etwas Eigenes dazu beiträgt.
Eine solche Haltung birgt vor allem in der Pubertät eine große Gefahr in sich, wenn sie zu einem Dauerzustand wird. Dies wird dann als »amotivationales Syndrom« bezeichnet. Es mündet in eine Gleichgültigkeit gegenüber Alltagsanforderungen, bewirkt eine allgemeine Antriebsverminderung und reduziert die Fähigkeit, sich aktiv mit der Umwelt und den Lebensanforderungen auseinanderzusetzen. Der Verlust von Spontaneität und Initiative stört den normalen Entwicklungsprozeß in der zwischenmenschlichen Beziehung bei Jugendlichen und die Eingliederung des einzelnen in die Gesellschaft erheblich. Das Durchhaltevermögen und die Frustrationstoleranz werden geschwächt. Gerade hier liegt die Gefahr für den Jugendlichen. Er steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Er ist also in einem Alter, in dem er sich mit vielen Problemen erstmals bewußt konfrontiert sieht und diese mit einem klaren Kopf lösen sollte, wie zum Beispiel die Berufswahl, eine Lehre oder Weiterausbildung und viele andere Fragen.
Gefährlich für den Konsumenten, aber auch für die Gesellschaft, ist eine Motivationsänderung, die das Ausweichverhalten vor Problemen zum Lebensprinzip hochstilisiert. Damit wird der Konsument zum Außenseiter. Es mangelt ihm im allgemeinen an positiven Lebenszielen, am Streben, sich aktiv und mit Engagement den Bereichen der Liebe, Gemeinschaft und Arbeit zuzuwenden und für die sich stellenden Probleme konstruktive Lösungen zu finden. So mangelt es einem solchen Jugendlichen an Erfahrung. Er bleibt in der psychischen Entwicklung hinter den Gleichaltrigen zurück. Er wird zwar dem Alter nach erwachsen, ohne jedoch ein reifes geistiges und emotionales Verantwortungsbewußtsein zu erreichen. Die Forderung nach Chancengleichheit wird so ad absurdum geführt. In der Anbahnung von Entwicklungsstörungen bei Jugendlichen liegt somit eine zusätzliche Gefahr. In diesem problemverdrängenden Sich-treiben-Lassen werden langfristige Pläne kaum mehr ins Auge gefaßt oder realisiert, weil die Ausdauer fehlt.
Folgen für die Schule und Ausbildung
Intensiver Haschischkonsum kann zu einem raschen Leistungsabfall in der Schule führen. Auffällig ist, daß zuerst die naturwissenschaftlichen Fächer, die logisches Denken erfordern, vernachlässigt werden. Der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit sowie die Verlangsamung des Denkens werden von der Umgebung des Schülers oftmals sehr spät oder gar nicht wahrgenommen. Die Lernfähigkeit wird aber durch eine Schädigung des Kurzzeitgedächtnisses stark und langanhaltend gestört. Häufig ist das Schuleschwänzen ein erstes und wichtiges Indiz für eine beginnende Drogenkarriere. Nicht selten folgt der Abbruch der Schul- oder der Berufsausbildung, was den jungen Menschen in eine beinahe ausweglose Situation bringt. Lebensfreude und Leistungsbereitschaft verschwinden.
Störung von Freundschaften und vom Familienleben
Häufig wird der ganze Interessen- und Freundeskreis auf oberflächliche Beziehungen zu anderen Drogenkonsumenten eingeengt. Neue soziale Bindungen werden kaum mehr eingegangen. Dauerkonsum von Haschisch verursacht eine chronische Wesensveränderung. Es entsteht auch immer mehr eine moralische Gleichgültigkeit und eine verminderte soziale Verantwortung. Dies zeigt sich darin, daß er die eigenen Belange vernachlässigt, sich auf sich selbst zurückzieht und damit zunehmend seine Erlebnissphäre einengt. Das Familienleben wird vernachlässigt. Häufig kommt es als Folge des Drogenmißbrauchs zu mehr und vehementeren Streitereien.
Zeichen eines sozialen Abstiegs und einer sozialen Verelendung treten häufig schon nach kurzer Zeit intensiven Drogenkonsums auf. Es ist deshalb wichtig, daß sowohl Eltern als auch Lehrer und Ärzte die Symptome des Haschischkonsums frühzeitig erkennen, so daß die betroffenen Jugendlichen und Eltern rechtzeitig fachkundige Hilfe und Unterstützung erhalten. Ebenso müssen Eltern wissen, daß Haschisch beziehungsweise Marihuana eine Einstiegsdroge für andere Rauschmittel sein kann. Gerade durch seine psychischen Auswirkungen ebnet Haschisch häufig den Weg zur Fixerkarriere.
Aber auch drogensüchtige Eltern sind nicht mehr in der Lage, ihren Kindern die nötige Geborgenheit und Zuwendung, Anleitung und Orientierung im Leben zu geben. Solche Kinder haben einen großen Mangel und sind später mehr drogengefährdet beziehungsweise werden häufiger kriminell als andere. Die UNO weist mit Nachdruck darauf hin, daß Drogen wohl die größte Gefahr für die Familie, aber auch für die bestehende Gesellschaft, also das demokratische Staatswesen, darstellen.
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