Re: Noch ein Erfahrungsbericht eines Typ I Diabetikers


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Geschrieben von Uschi uschi am 20. August 2005 19:52:11:

Als Antwort auf: Gibt es eigentlich Diabetiker unter Rohköstlern? geschrieben von Kathrin am 05. November 2004 18:02:43:

Hallo liebe Forumsteilnehmer,

für alle frischdiagnostizierten Diabetiker (und natürlich auch für andere interessierte):
hier ist meine Diabetes-Geschichte. Vielleicht inspiriert sie ja jemanden, es auch mit Rohkost zu versuchen und nicht immer gleich auf die Schulmedizin zu hören.

Bei mir wurde mit 41 Jahren im Februar dieses Jahres (2005) Typ I Diabetes diagnostiziert und während eines 2-wöchigen Krankenhausaufenthalts wurde ich mehr schlecht als recht auf eine Insulintherapie eingestellt. Für die Diabtetiker unter den Lesern: Zu Beginn habe ich 1 x täglich Lantus (14 Einheiten) als Basal und zum Essen 3 mal täglich je nach BE's Apidra 100 als Bolus (1:3, 1:2, 1:3) gespritzt.

Im Krankenhaus (es handelte sich um eine Spezialklinik für Diabetes) wurde mir Folgendes erklärt:

KK: Leider haben Sie Typ I Diabetes, Sie müssen ab sofort ein Leben lang Insulin spritzen, aber keine Sorge, Sie können dank der modernen Insulintherapie essen, was Sie möchten, Sie müssen es nur berechnen.
Frage: Hat es etwas mit dem in meiner Familie väterlicherseits verbreiteten Typ II-Alters-Diabetes zu tun?
Antwort KK: Nein, genetische Ursachen halten wir bei Typ I für eher unwahrscheinlich.
Frage: Hat es etwas mit meiner Ernährung die letzten Jahre zu tun?
Antwort: Nein, Typ I hat mit Ernährung nichts zu tun.
Frage: Woher kommt es dann?
Antwort KK: (Schulterzucken) - Das wissen wir nicht so genau. Es ist eben eine Autoimmunkrankheit. Die Inselzellen in Ihrer Bauchspeicheldrüse wurden durch Ihren eigen Körper quasi zerstört und das ist leider irreparabel.

Nach 2 Wochen ging mein Insulinbedarf immer mehr zurück. Ich fragte, was nun los ist.

Erklärung KK: Aha. Sie befinden sich in der sog. ‚Honeymoon-Phase‘. Das ist eine bei Typ I oft auftretende Remissionserscheinung. Ihre Bauchspeicheldrüse erholt sich gerade und stellt wieder selbst Insulin her.
Frage: Wie... ich dachte, die Inselzellen wurden zerstört - was denn nun - sind sie jetzt doch reparabel?
Antwort KK: Äh - nein, es ist eben eine Remissionsphase. Die hört auch wieder auf und danach müssen Sie sich endgültig auf die Insulintherapie einstellen.
Frage: Wann hört sie denn wieder auf?
Antwort KK: Ach, das ist unterschiedlich. Bei manchen nach Wochen, bei manchen dauert sie Monate bis Jahre...
Frage. Warum hört sie wieder auf?
Antwort KK: (Schulterzucken) - Das wissen wir leider nicht...

ratlos

Diese beiden Gespräche waren für mich ausreichend, um zu begreifen, dass sie eben gar nichts wissen und mir daher auch nicht wirklich helfen können. Ich bin schon immer eine schwierige Patientin gewesen. Ich stelle den Ärzten grundsätzlich gerne viele Fragen, und bin sauer, wenn sie diese nicht beantworten können, oder aus meiner Sicht unlogisch beantworten. Mein Misstrauen in die Schulmedizin war also schon vorhanden. Zum anderen habe ich in den 90igern nach Fit-For-Life gegessen und weiß aus dieser Erfahrung, was man mit einer Ernährungsumstellung bewirken kann. Diese beiden Grundlagen waren sicher ausschlaggebend für den weiteren Verlauf:

Nach einem Monat erhielt ich einen Buchtipp (Unsere Nahrung - Unser Schicksal von Dr. Bruker) von einen guten Freund und stellte ab da meine Ernährung um: Zucker und Weißmehlprodukte wurden sofort gestrichen, meine Ernährung bestand zu ca. 80 % aus Rohkost. Nach 4 Wochen war ich komplett vom Fremdinsulin weg. Ich musste zwar mit dem Essen aufpassen (wenig Kohlenhydrate), aber nüchtern lagen meine Werte immer zwischen 70 und 90 - gesunde Werte also!

Danach versuchte ich es mit einer sog. ‚Low-Carb‘-Ernährung und aß ca. 1 Monat lang nach der LOGI-Methode, wodurch mein Blutzucker zwar auch nach dem Essen schön unten blieb (unter 120), aber die massive Zufuhr von tierischem Eiweiß schreckte mich mit der Zeit ab und ich fühlte mich mental irgendwie nicht wohl dabei - da wirkte sicher noch der alte Einfluss der Fit-For-Life-Ernährung.

Zu dieser Zeit stieß ich auf Dr. Schnitzer, der verspricht, dass durch eine mehrwöchig durchgeführte Intensiv-Kost (100% Rohkost) Diabetes (auch Typ I) ausgeheilt bzw. sehr stark gelindert werden kann. Herr Schnitzer schrieb mir überraschenderweise sogar persönlich eine Mail, um mir zu bestätigen, dass ich mit der LOGI-Kost auf dem Holzweg sei und sofort jedes tierische Eiweiß aus meiner Ernährung weglassen müsse.

Ich habe daraufhin also 4 Wochen lang 100% Rohkost gegessen und fühlte mich so wohl dabei, dass ich beschloss, die Rohost-Kur auf unbestimmte Zeit zu verlängern, also generell Rohköstlerin zu werden. Das ist nun seit ca. 10 Wochen so. Meine Blutzucker messe ich nur noch stichprobenartig und wenn ich das tue, ist er wie immer - Nüchtern 70-90, nach dem Essen geht er nicht über 140. Ich bewege mich sehr viel und mache viermal die Woche ein morgendliches Workout.
Ich habe die ziemlich große Hoffnung, dass sich meine Pankreas mit der Zeit, wenn ich bei 100% Rohkost bleibe, regenerieren wird. Ich glaube, dass es bei meinem Krankheitsverlauf günstig war, dass ich 1. nur sehr kurze zeit Fremdinsulin gespritzt habe und 2. dass ich sehr schnell immer mehr Rohkost in mein Leben
integriert habe.

Witzigerweise ist mit meiner Faszination für die Rohkosternährung die Diabetes stark in den Hintergrund getreten. Sie war also so etwas wie ein Auslöser, sie ist aber inzwischen nicht mehr der Grund für das Rohkostessen. Ich fühle mich eher wieder wie damals mit Fit-For-Life - ich will wissen, wie mein Körper sich weiter verändert und beobachte dies gespannt mit viel Enthusiasmus.

Ich suche momentan noch nach der für mich richtigen Rohkost-Form. Zuletzt habe ich David Wolfe gelesen und nun werde ich mich wohl an den Konz heranmachen. Eine Darmsanierung nach Robert Grey und eine Zahnsanierung stehen als nächstes auf dem Plan.

Meine Mahlzeiten bestreite ich hauptsächlich aus sehr wenigen süßen Früchten (morgens als Frühstück und immer zusammen mit Nüssen, die als Fettbremse wirken), nicht-süßen Früchten, viele grünblättrige Salate, Kräuter und Avocados natürlich. Zuletzt habe ich mir einen Wildkräuterführer besorgt und werde mich mal umschauen, was man in Berlin so sammeln kann...

Ich hoffe, dass andere Diabetiker das lesen und somit vielleicht auch auf die Idee kommen, nicht auf die Ärzte zu hören und die beste Insulintherapie zu finden, sondern die beste Rohkost-Therapie. Es ist manchmal ein einsamer und steiniger Weg- man muss fast alles alleine herausfinden, denn kein schulmedizinisch behandelnder Arzt unterstützt diese Alternative, nur mein naturheilkundlich orientierte Hausarzt fand alles, was ich mache, super. Ich hatte Glück mit meinem Familien- und Freundeskreis, die nach anfänglichem Schrecken meinen Entwicklung nun begeistert verfolgen - ein im Krankenhaus arbeitender Arzt ist auch dabei, für den bin ich inzwischen ein lebendes Experiment geworden, welches er hochinteressiert beobachtet.

Mein persönliches Ziel ist es, die 'Remissionsphase' zumindest aufrecht zu erhalten und idealerweise natürlich voranzutreiben. Falls mir das gelingt, werde ich mich an dieser Stelle wieder melden und den weiteren Verlauf schildern!

Wie gesagt: dass eine Bauchspeicheldrüse, die sich anfangs erholt, auf einmal angeblich ohne bestimmten Grund total aufgibt, kann ich einfach nicht glauben. Es ist zumindest wert, darüber einmal nachzudenken. Wenn sie tatsächlich aufgibt oder eben nicht, gibt es dafür sicher Ursachen, auch wenn die Schulmedizin diese nicht kennt. Ich möchte und werde das herausfinden.

Liebe Grüße

Uschi






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